Wilhelm Dörpfeld

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Inhalt
Lebenslauf
Kindheit und Jugend
Studium
In Olympia
Zusammenarbeit mit Schliemann
Aufstieg
Ende
Persönliches
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Lebenslauf:

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Wilhelm Dörpfeld am 26.12.1853 in Barmen (Wupperfeld) als Sohn des großen Pädagogen Friedrich Wilhelm Dörpfeld und seiner Frau Christine. Sein Vater, ein "Schulmeister von Gottes Gnaden", leitete dort die lutherische Elementarschule, wo Dörpfeld bis zu seinem 12. Lebensjahr auch unterrichtet wurde. Friedrich W. Dörpfeld war überzeugter evangelischer Christ, weshalb in seiner Schule der Religionsunterricht im Mittelpunkt stand. Danach wurde der Sohn Wilhelm in die "Erziehungsanstalt" mit Internat in Fild bei Moers geschickt. In dieser damaligen Musterschule wurde nicht nur für das geistige, sondern auch für das körperliche Wohl der Schüler gesorgt. So wurde jeden Tag geturnt, er wurden Ballspiele gemacht oder andere sportliche Aktivitäten unternommen. Nach seiner Konfirmation in Moers kam er mit 14 Jahren nach Wupperfeld zurück, um das Barmer Gymnasium zu besuchen. Dort kam er zuerst auf Probe in die Untersekunda, da er in Latein und Griechisch rückständig war. Seine Lücken füllte er jedoch auf, sodass er auf seinem Reifezeugnis 1872 in Mathematik "vorzüglich" und in allen anderen Fächern mit "gut" bewertet wurde.
Überschattet wurde seine Schulzeit von dem Tod seiner Mutter am 28.05.1871, welcher ihm und der übrigen Familie sehr nahe ging. Seine Mutter trug sehr zu dem warmen und herzlichen Umgang innerhalb der Familie bei, der auch nach ihrem Tod weiterhin erhalten blieb.

Studium

Schon früh entschied sich Dörpfeld dazu, das Baufach zu studieren, auch wenn sein Vater es lieber gesehen hätte, wenn er in seine Fußstapfen getreten wäre. Noch während er zur Schule ging, nahm Dörpfeld nebenbei Mathematik- und Zeichenunterricht. 1872/73 machte er ein Praktikum beim Barmer Stadtbauamt und bei der "Bergisch-Märkischen Industrie-Gesellschaft". Dort lernte er sowohl die verschiedensten Bauarbeiten als auch Bank- und Börsengeschäfte kennen. Danach begann er sein Studium an der Berliner Bauakademie, die später zur technischen Hochschule erweitert wurde. Weil sein Vater nicht für das Studium aufkommen konnte, unterstützte ihn seine Schwester Anna. (Dörpfeld hatte noch fünf Geschwister, von denen jedoch eins nach einem Jahr starb.) Außerdem verdiente er sich in den Ferien etwas Geld, indem der für seine Verwandten verschiedene Gebäude entwarf und bauen ließ und bei der Rheinischen Eisenbahngesellschaft arbeitete.
Der Student Dörpfeld war fleißig und bescheiden. Er wechselte oft die Wohnung oder teilte sie mit anderen Studenten, sein Hobby war das Turnen, durch das er seine Abscheu vor dem Soldatenleben verlor. Ihn ärgerte es nur, durch seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger beim Kaiser-Alexander-Garde-Regiment 1874/75 Studienzeit zu verlieren, obwohl er es schaffte, während des Militärdienstes weiter Vorlesungen zu besuchen, sowie die geforderten praktischen Arbeiten anzufertigen. So konnte ihm das Dienstjahr später angerechnet werden.
Sein Bauführerexamen bestand Dörpfeld im Dezember 1876 "mit Auszeichnung", weshalb er eine staatliche Prämie in Höhe von 900 Mark für eine Italienreise bekam. Diese konnte er aber erst 1881 antreten. In seinem Examen wurden zufälligerweise die Propyläen abgefragt, mit denen er sich vor der Prüfung beschäftigt hatte. Weil er diese als einziger zeichnen und deuten konnte, bot ihm sein Prüfer eine Stelle in seinem Architekturbüro an. Mit dieser Arbeit begann er dann im Januar 1877. Unter anderem fertigte er dort Skizzen und Ausgrabungsberichte von Olympia an, zur großen Zufriedenheit seines Vorgesetzten, der ihn nun fragte, ob er nicht in Olympia als Bauführer arbeiten wolle. Diese Stelle nahm Dörpfeld gerne an.

In Olympia

Zuerst war er Assistent, später technischer Leiter des Projektes. Zu seinen Aufgaben gehörte nun die Versorgung und Betreuung der Arbeiter, die Kassenführung, die Archivierung der Funde und Berichterstattungen für das Berliner Institut, die z.T. auch veröffentlicht wurden. Außerdem erläuterte er immer häufiger Gästen (u.a. König Georg I. von Griechenland) Funde und Ausgrabungsstätten. Seine Ausgrabungsergebnisse trugen zum Wiederaufleben der Olympischen Spiele der Neuzeit bei, die 1896 in Athen wieder aufgenommen wurden und bei denen Dörpfeld natürlich Ehrengast war. Dörpfeld scheute sich auch nicht, in Diskussionen als sicher geltende Erkenntnisse mancher Facharchäologen in Frage zu stellen, manchmal sogar mit Erfolg.

Zusammenarbeit mit Schliemann

1880/81 wurde das Olympia-Projekt abgeschlossen und Dörpfeld plante, in Berlin sein Bauexamen zu machen, obwohl er am liebsten in Griechenland geblieben wäre. Er brauchte aber die Sicherheit des Architekturberufes für seine Familienplanung, denn er hatte sich heimlich mit Anne Adler verlobt, der Tochter seines Examensprüfers. Die Hochzeit fand am 12.02.1883 statt, als Dörpfeld sich schon dazu entschlossen hatte, den Beruf zu wechseln und Altertumswissenschaftler zu werden.
Kurz vor Abschluss des Olympia-Projektes besuchte Heinrich Schliemann die Ausgrabungsstätten. Überzeugt von Dörpfelds Ausgrabungsmethoden forderte er ihn zur Mitarbeit in Troja auf. Dieses Angebot konnte Dörpfeld annehmen, da er 1882 erst Hilfsarbeiter zur "Vornahme architekturwissenschaftlicher Untersuchungen" und dann vollamtlicher Architekt des Institutes wurde und über einen Großteil seiner Dienstzeit frei verfügen konnte. Obwohl beide Männer von ihrer Persönlichkeit her sehr unterschiedlich waren, wurden sie gute Freunde und konnten sich bei ihrer Arbeit gut ergänzen. Dörpfeld führte die Ausgrabungen nach Schliemanns Tod im Jahre 1890 noch bis 1894 fort. Zuvor konnten beide noch in Tiryns die Überreste der Zyklopenburg freilegen. Dörpfeld fühlte sich Schliemann gegenüber immer in Dankbarkeit verbunden, weil er durch ihn zum Homerforscher wurde.

Aufstieg

Die Ausgrabungen in Olympia, Troja und Tiryns erregten großes Aufsehen, sodass ihm als 28jährigen am 02.08.1882 die philosophische Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Mit seiner Karriere ging es immer weiter bergauf: Zunächst wurde er stellvertretender Sekretär des archäologischen Instituts in Athen, ein Jahr später der Leiter und 1892 wurde ihm aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit der Professorentitel verliehen, den er mit Stolz gebrauchte. In den ersten Jahren als Institutsleiter forschte er weiter in Athen und beschäftigte sich mit griechischen Theaterbauten. Zwischendurch veröffentlichte er weiterhin seine Ergebnisse und hielt Vorträge. Dörpfelds Metier war auch die Veranstaltung wissenschaftliche Führungen und Reisen, bei denen er mit seinem Fachwissen und seiner Redekunst überzeugte. In der zweiten Hälfte seiner Amtszeit betrieb er wieder intensiver Homerforschung. Nebenbei unterstützte er Kollegen, die ev. Kirche in Athen und die Gründung einer deutschen Volksschule. In Herbst 1896 unternahm er eine vielbeachtete Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten, deren Höhepunkt die Verleihung der juristischen Ehrendoktorwürde der Universität Princeton war. Ab 1900 wurde langsam die Insel Leukas der Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit, auf der er neuerdings das homerische Ithaka vermutete. Für dieses Projekt opferte er sogar seinen Urlaub, um es zu leiten.

Ende

1912 beendete Dörpfeld seine amtliche Laufbahn und zog nach Berlin, obwohl er sich auf Leukas sehr wohlfühlte. Gründe dafür waren Probleme in seinem Beruf sowie persönlicher und politischer Art.
Zu Beginn der 20er Jahre hielt er Vorlesungen in Jena und wurde dort zum Honorarprofessor ernannt. Trotzdem kehrte er, sobald es ihm möglich war, nach Griechenland zurück, da er in den Vorlesungen nicht seinen Lebensinhalt sah. Es wurde stiller um Dörpfeld, den der frühe Tod seiner Frau und einer Tochter (Dörpfeld hatte drei Kinder) sowie der Verlust mancher Freunde schwer traf. Nachdem er noch 1939 von der preußischen Akademie der Wissenschaften zum Ehrenmitglied ernannt wurde, starb er 87jährig am 25.04.1940 einsam in seinem "Kaiserhaus" an einem Schlaganfall. Auf seinen Wunsch hin wurde er auf Leukas beigesetzt.


Persönliches:

Dörpfeld lag viel daran, seine Forschungsergebnisse möglichtst weit zu verbreiten,weshalb er einige Bücher, wie z. B. "Homers Odyssee" (1925) und "Alt Ithaka" (1927) schrieb. Um seine Arbeiten zu veröffentlichen und gleichzeitig die Existenz seines Sohnes zu sichern, gründete er eine Wilhelm-Dörpfeld-Stiftung. Werbung machte er, indem er verschiedenen Institutionen und Privatmenschen einige Exemplare schenkte und den Walter de Gruyter-Verlag aufforderte, intensiver für ihn zu werben. Obwohl er seit seiner Jugend viele Briefe schrieb und, wie erwähnt, seine Arbeit z.T. verschriftlichte, machte er kaun autobiographische Aufzeichnungen. Er hielt diese für unwichtig und wollte lieber seine wissenschafliche Probleme lösen.
Von seinem Vater hatte er seine ausgeprägte pädagogische Begabung, die, zusammen mit seinem rhetorischen Talent, dazu beitrug, seine Zuhörer (und Gegner) zu fesseln und mit seinen Argumenten zu überzeugen.
Trotz seines Berufes war Dörpfeld ziemlich nüchtern und ohne großes Kunstverständnis, er beschäftigte sich lieber mit technischen und wirtschaftlichen Fragen. So fiel es ihm auch leicht, für seine Projekte Geldgeber zu finden, die ihn regelmäßig unterstützten. Sogar Kaiser Wilhelm II. stellte ihm immer wieder größere Beträge zur Verfügung, schenkte ihm sein Haus auf Leukas und wurde zu einem seiner Freunde. Außerdem bekam Dörpfeld von ihm nach seiner Pensionierung eine Art Rente, die der Reichskanzler nach dem Krieg übernahm.
Dörpfeld interessierte sich ebenfalls für Politik, trat aber keiner Partei bei. Er war nationalkonserativ gesinnt mit einem internationalem Blick, da er sich lange in Griechenland aufhielt und viele seiner Kollegen aus dem Ausland kamen. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges, den er in Berlin miterlebte, erschütterte ihn, aber es war für ihn keine Frage, dem Vaterland zu dienen, was er in Reichsämtern tat. Der Machtwechsel brachte für ihn keine Nachteile und so konnte er schon bald wieder nach Griechenland, seiner zweiten Heimat, zurückkehren. Dörpfeld war in Griechenland sehr beliebt. Durch das erworbene Vertrauen wurden die großen Ausgrabungen erst möglich. Es gab nur wenige Grabungen in Griechenland, an denen Dörpfeld nicht selber beteiligt war.
Bekannte Wuppertaler Freunde waren Rudolf Herzog und Eduard von der Heydt. Dörpfeld besuchte auch hin und wieder seine Wuppertaler Heimat und deren Umgebung.

Quelle: Stadtarchiv Wuppertal




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Debora Petrauskas (Jgst.11), Mai 2000