»Das, was wir hören wollen, hören wir am besten.«
Andrea Mira Meneghin

Erfahrungen vom Ersten Aktionstag HÖREN

O-Töne, nicht zum Hören, aber zum Lesen!

Erwartungen vor dem Aktionstag

  • Ich erwarte vom Aktionstag, dass jeder mitmacht und wir zusammen Spaß haben.
  • Ich hoffe, dass die Mitschüler nach dem Aktionstag nicht mehr „Egal“ sagen, wenn ich „Wie bitte?“ sage.
  • Ich erwarte, dass sich keiner über den anderen lustig macht.
  • Ich denke, dass die Lehrer dann lauter sprechen müssen.
  • Ich wünsche mir mehr Verständnis für Melisa und Julia.
  • Ich erwarte vom Aktionstag, dass ich verstehen kann, wie Hörgeschädigte hören.
  • Ich denke, dass ich an Grenzen kommen werde und nicht klar komme, ohne zu hören.
  • Ich erwarte, dass ich einen Eindruck darüber bekomme, wie die Hörgeschädigten sich fühlen.
  • Ich glaube, dass alle Kinder aufgeregt sein werden.
  • Ich hoffe, dass nach dem Aktionstag alle selbstverständlich an das Mikro denken.
  • Ich erwarte von dem Aktionstag, dass ich nachvollziehen kann, wie unangenehm es ist, nicht oder nur wenig zu hören.
  • Ich vermute, dass ich meine Freunde beim Unterhalten trotzdem verstehen werde.


Hintergrundwissen

Hörschädigung ist unsichtbar und wird häufig unterschätzt.

In der Klasse 7 erfahren zwei Mädchen mit einer Hörschädigung täglich, was es bedeutet, den Anforderungen des Unterrichts in einer allgemeinen Schule gerecht zu werden und stellen sich auch den sozialen Herausforderungen im Schulalltag.

Wer es nicht selber erlebt hat, wie es ist, weniger/schlechter zu hören, kann vieles nicht wirklich nachvollziehen. Das Ohr ist das sozialste Organ des Menschen, denn es wird zur Kommunikation mit anderen Menschen gebraucht. Sowohl für Hörgeschädigte als auch für Normalhörende erschwert eine Hörschädigung die Kommunikation. Es kann zu Missverständnissen, Berührungsängsten und Ausgrenzungen kommen, denn es ist anstrengend sich immer voll auf Gespräche konzentrieren zu müssen und es kann "nerven", wenn man immer wieder nachfragen muss bzw. das Gesagte immer noch einmal wiederholen soll.

Das haben die Schülerinnen und Schüler und z.T. auch Lehrerinnen und Lehrer beim "Aktionstag Hören" nachvollziehen können.

Die Aktion "Hörspaziergang" gab auch den Besuchern des Tags der offenen Tür Gelegenheit, sich auf dieses Thema einzulassen. Zudem konnte man sich einen Eindruck verschaffen, was ein Hörgerät leistet und wie eine drahtlose Übertragungsanlage funktioniert.

Vor einer Hörschädigung ist niemand gefeit. Es kann jeden treffen, denn die Ursachen (Lärm, Alter, fieberhafte Erkrankungen, ...) sind vielfältig.

Wer noch mehr über das Thema "Hören" und "Hörschädigung" erfahren möchte, kann sich hier informieren:

Informationsquellen

  • www.gerricus-schule.de
  • www.schwerhoerigen-netz.de
  • www.taubenschlag.de

auch die Hersteller von Hörgeräten bieten Informationen an:
  • www.phonak.com
  • https://de.hearing.siemens.com/

Ablauf des Aktionstages

  1. Schon zu Hause Ohrstöpsel rein
  2. Zur Schule und Ohrstöpsel rein (wer will auch auf dem Schulweg – Achtung beim Überqueren von Straßen!)
  3. Physikstunde – Die Hälfte der Klasse mit Ohrstöpseln, die andere ohne – Wechsel nach 30 min)
  4. Matheunterricht Ohrstöpsel raus, denn die Klassenarbeit wurde vorbereitet
  5. PAUSE (eine Pause mit Ohrstöpseln)
  6. Latein mit Ohrstöpseln (Stillarbeit, bei der Ohrstöpsel sehr angenehm waren)
  7. Geschichtsunterricht – Unterrichtsgespräche mit vielen Nachfragen auf allen Seiten
  8. PAUSE (freiwillig auch die zweite Pause mit Ohrstöpseln)
  9. Deutschunterricht – Ohrstöpsel raus - Auswertung

Erfahrungen der Beteiligten

  • Ich fühle mich, als ob ich in einer eigenen Welt lebe.
  • Wenn man die Ohrstöpsel einlegt, wird alles leiser außer der eigenen Stimme.
  • Man hört sein Herz schlagen.
  • Das Treppensteigen ist zu hören!
  • Das Zähneputzen ist so laut!
  • Wir waren viel leiser als sonst, außer, wenn wir miteinander sprechen mussten.
  • Ich fühlte mich wie in einer Dimension, in der es keinen Ton gibt.
  • In der Pause haben alle gesagt, dass ich sehr leise rede und ich dachte, dass ich schreie!
  • Wenn man die Stöpsel rausnimmt, hört man alles viel lauter.
  • Ich habe ein Auto nicht bemerkt, als ich über die Straße gehen wollte. Sonst höre ich das ja automatisch.
  • Es fühlt sich unangenehm an, wenn man ständig was im Ohr hat.

Mein persönlicher Eindruck

Erst dachte ich, dass das mit den Ohrstöpseln kein Problem sein würde. Dann merkte ich, dass ich jedes Nebengeräusch störend fand und mich immer ganz genau auf den Redenden konzentrieren musste. Daraus schließe ich, dass es für Julia und Melisa in unserem Unterricht sehr wichtig ist, dass wir uns ruhig verhalten. Ich kann mich jetzt besser in ihre Lage hineinversetzen.

Felix Olschanski


Zähneputzen und Treppenlaufen als Hörerlebnis, andere Ohrstöpselträger berühren, um auf sich aufmerksam zu machen, Gesprächspartnern direkt ins Gesicht sehen, um auch Endungen zu verstehen, nicht mitzubekommen, wenn man von der Schulleiterin und KollegInnen gerufen wird, Gespräche über Gott, die Welt, den Tod nicht führen zu können, ohne zu hören, das sind Erfahrungen, die eine neue Welt für mich eröffnet haben. Die Gefühlspalette reicht von neugieriger Anspannung über Hilflosigkeit, Verwirrung und Ratlosigkeit bis hin zu genussvollem „Ausschalten“ des Geräuschpegels im Lehrerzimmer.

V. Hilgert


Schlussbemerkung der Autoren

Wir fanden den Tag sehr erfolgreich, da viele Mitschülerinnen und Mitschüler den Tag sehr positiv beurteilen. Die einen meinen, dass sie jetzt mehr Rücksicht nehmen werden, damit es nicht zu laut ist. Andere haben jetzt weniger Hemmungen, direkt mit Julia und Melisa zu reden.

Wir danken den beiden Mädchen mit Hörschädigung, Julia und Melisa, Frau Hilgert und besonders Frau Gatermann, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Ole Kaiser, Felix Olschanski, Tayana Dykers, Noah Da Costa

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